Richtig gekleidet im Job: Expertentipps von der Image- & Stilberaterin

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Kleider machen Leute – besonders im Job spielt die Wahl unserer Kleidung eine entscheidende Rolle! Was wir bei der Arbeit tragen, entscheidet nicht nur darüber, wie wir uns selbst fühlen, sondern auch, wie wir auf unser Umfeld wirken. Stil-Expertin Lisa Pippus gibt Tipps, mit welcher Kleidung Sie im Job überzeugen und authentisch auftreten.

Lisa Pippus: Stil- und Imageberaterin für Privatpersonen, große Firmen und Institutionen aus Berlin.

„Die richtige Kleidung ist der Schlüssel zu einem souveränen, selbstbewussten Auftritt“, verrät uns Lisa Pippus, die in Berlin als Stil- und Imageberaterin für Privatpersonen, aber auch große Firmen und Institutionen tätig ist.

Für die gebürtige Kanadierin ist Mode ein „textiles Aushängeschild“ unserer Persönlichkeit, aber auch unserer Fähigkeiten und nicht zuletzt entscheidend, welche Wertigkeit uns und unserer Arbeit entgegengebracht wird.

Wir haben die Fachfrau, die vor Ihrer Tätigkeit als Beraterin die Vielschichtigkeit der Mode „von der anderen Seite her“, nämlich als Designerin auslotete, zum Thema Business-Mode und der Wirkung von Kleidung im Job befragt – und spannende Antworten erhalten, die die klassischen Business Dresscodes in ihrer Bedeutung ganz klar zurückstufen!

Business Formal vs. Business Casual – in den meisten (konservativen) Branchen herrschen Dresscodes, die sich zwischen einem Spannungsfeld aus Seriosität und Individualität bewegen. Während „Business Formal“ in höheren Positionen, etwa im Management, im Banken- oder Kanzleiwesen, den modischen Ton angibt, lockert der „Business Casual“ Dresscode allzu strenge Kleidungsvorschriften auf, ohne dabei zu leger zu werden.

Anzüge und Kostüme, maximal Bluse und Bleistiftrock oder Stoffhose in gedeckten Farben, machen den klassischen Businesslook zu einer Art „Arbeitsuniform“, doch beim Business Casual gelten entspanntere Regeln. Hier dürfen auch Jeans, ein Hemd ohne Krawatte oder auffällige Farben mit ins Büro. Generell gilt jedoch auch hier: Weniger ist mehr, denn was wir im Job tragen, soll vor allem Kompetenz vermitteln.

Business-Kleidung soll bestimmte Werte vermitteln

Lisa Pippus sieht es mit den klassischen Business-Dresscodes weniger streng:

„Egal, ob jemand als Schauspieler, Fotograf, Künstlerin, Anwältin oder Vorstandsvorsitzender arbeitet: Was die jeweilige Kleidung im Job transportieren soll, ist in erster Linie Wertigkeit!“

Unabhängig davon, in welchem Bereich jemand arbeitet: Idealerweise zieht man sich im Job so an, dass Wert und Inhalt, den die jeweilige Arbeit haben soll, transportiert wird. Als Beispiel zeigt die Stil-Expertin, die sich ihr modisches Know-how im Modedesign-Studium in Toronto und Mailand, später in einer Ausbildung zur Image-Trainerin angeeignet hat, Fotos, die jeweils eine eher leger gekleidete Person und eine gemeinhin „seriös“ bzw. „wertig“ gekleidete einander gegenüberstellen.

Auf ihre Frage, wer von beiden jeweils mehr verdiene, sind die Antworten oft alles andere als eindeutig zu finden! Eine der Gegenüberstellungen zeigt etwa zwei gepflegt aussehende Herren mittleren Alters, beide eher exzentrisch, aber offensichtlich in Kleidung von guter Qualität gekleidet. Es wird schnell klar: Klassische Business-Dresscodes existieren in ihrer bisherigen Form vielerorts nicht mehr!

Frau in grauem Hosenanzug

Ein eleganter Hosenanzug gehört zu den Immergrüns der weiblichen Business-Mode.

Mit unserer immer flexibleren und sich verändernden Arbeitswelt haben sich auch textile Vorschriften im Job gelockert. Aussehen ist mehr denn je individuell und orientiert sich anderen Kriterien als denen, die der Bereich, in dem wir arbeiten, vorgibt.

Lisa Pippus legt das Hauptaugenmerk darauf, dass Mode im Job in vielen Bereichen vor allem Einfluss und Macht demonstrieren soll. Wenn beispielsweise Mark Zuckerberg, einer der Gründer von Facebook, stets in Jeans und Kapuzenpullover – Kleidung, die im Business-Bereich gemeinhin als „unseriös“ gilt – an die Öffentlichkeit tritt; und jemand mit derart großem Einfluss und immenser Kreativität wie Nelson Mandela sowohl im seriösen Anzug als auch in afrikanischer Tracht seine Wirkung behält, wird deutlich: Das, was wir tragen, muss das, was wir tun, transportieren.

Business Meeting mit Anzügen © Rawpixel Ltd, DragonImages | iStock

Kleidung, die zum Job passt. So unterschiedlich wie die Betriebe, …

Business Meeting locker © Rawpixel Ltd, DragonImages | iStock

… so vielseitig ist auch der Dresscode. 

Für Lisa Pippus folgt daraus: Es geht nicht nur um Leistung als solche, es geht um die Präsentation und letztlich die clevere „Verkaufe“ der selben! Sich einfach nur so zu kleiden wie das Jobumfeld hält die Expertin für naiv. Ihre Erklärung dafür:

„Eine meiner Klientinnen arbeitet als Präsentationsleiterin in einer großen Firma. Wenn bislang jemand von extern auf der Suche nach ihr war, weil sie z.B. für ein Meeting verabredet waren, ging sie buchstäblich im modischen „Einerlei“ ihres Arbeitsumfelds unter! Es geht also nicht darum, sich dem modischen „Diktat“ der eigenen Branche zu unterwerfen, sondern für sich selbst die Kernkompetenzen herauszuarbeiten, die man mit der eigenen Kleidung verkörpern möchte. Das kann natürlich Seriosität und Einfluss sein, die in einem Anzug oder einem Kostüm auf überzeugende Art und Weise vermittelt werden können. Genauso können es aber auch Verlässlichkeit, Offenheit, Kreativität oder sogar Trendiness sein, die mir in meinem Job hilfreich sind.“

Individuell & wirkungsvoll: So finden Sie die richtige Kleidung für Ihren Job

Je nach Branche werden ganz unterschiedliche Werte als „wertvoll“ und damit „wertig“ (auch in monetärer Hinsicht) angesehen.

„Du muss wissen, wie Du aussehen willst, danach kannst Du auswählen, was Dich danach aussehen lässt.“, erklärt Pippus den First Step ihrer Arbeitsweise mit Klienten, die aus unterschiedlichsten Branchen kommen und ihren Rat suchen.

Die grundlegende Frage, die sie allen stellt: Welche Werte unterstützen Sie in Ihrem Arbeitsumfeld? Wie wollen Sie wirken? Was soll Ihre Kleidung aussagen? Erst, wenn das Ziel klar definiert ist – z.B. mit drei Werten, die durch die jeweilige Business-Kleidung definiert werden soll – geht es daran,

passende Kleidungsstücke und -kombinationen auszuprobieren. Auch die individuelle Persönlichkeit und der eigene Erfahrungsschatz spielen dabei natürlich eine Rolle, das wichtigste Kriterium ist jedoch, die eigene Präsenz modisch vorteilhaft zu unterstreichen und mit der Mode, die man trägt, eine konkrete Intention zu verfolgen.

Weitere Tipps für wirkungsvolle Business-Looks von unserer Stil-Expertin:

Definieren Sie vorab, was Sie mit Ihrer Kleidung aussagen wollen! Möchten Sie selbstbewusst, kompetent und fachlich überlegen wirken oder hilft es in Ihrem Bereich eher, zugänglich, sympathisch und offen zu wirken? Je nach Branche und Position bzw. Arbeitsschwerpunkt ergeben sich hier ganz unterschiedliche Werte, die durch Mode und Accessoires kommuniziert werden.

Dunkle Farben assoziieren wir mit Wertigkeit, weswegen im formalen Businessbereich auch vor allem Schwarz, Grau, Dunkelblau, Braun, vielleicht noch dunkles Grün oder Bordeaux anzutreffen sind. Weiß und Creme sind ebenfalls Farben, die wir mit hohem Wert belegen. Grelle Farben oder Muster nehmen wir generell als weniger „wertig“, aber auch als unkonventioneller und offener war.

Generell gilt: Mode, die sehr preiswert ist, sieht häufig auch so aus und transportiert damit wenig Wertigkeit, sowohl in monetärer als auch in Image-Sicht. Das bedeutet nicht, dass man beim Shoppen von Business-Mode keine Schnäppchen machen darf, schlechte Textilqualität und nachlässige Verarbeitung sieht man Kleidungsstücken und Schmuck jedoch meistens an. Der Tipp der Expertin: Wenige, dafür hochwertige Stücke kaufen, die gut miteinander kombiniert werden können.

Hochwertige Accessoires wie Lederwaren, Armbanduhren, Schmuck, Schals, Tücher und vor allem auch Schuhe sind der Schlüssel zu einem „runden“ Look. Damit kann man auch individuelle Akzente setzen.

Schon beim ersten Hinsehen hinterlassen wir einen bleibenden Eindruck. Auch wer meint, im Job keine allzu verantwortungsvolle Rolle zu spielen oder eher unscheinbar zu sein, kann mit Kleidung auf sich aufmerksam machen! Mode ist ein nicht zu unterschätzendes Karrierefaktor! Wer mit dem, was er trägt, Eindruck hinterlässt, kann auch in großen Firmen positiv auffallen.

Material, Schnittform und Farbe spielen eine sehr wichtige Rolle für Kleidung im Job. Während sich zwei Outfits, etwa eine Bluse zur Jeans, dazu eine Kette und eine Handtasche, auf den ersten Blick sehr ähnlich sein können, entscheiden Details darüber, welcher der beiden Looks „wertiger“ wahrgenommen wird als der andere. Wie ist die Jeans gewaschen, wie sitzt sie? Aus welchem Material ist die Bluse, wie ist sie geschnitten und welche Farbe hat sie? Ist die Kette extrem auffällig oder dezent? Sieht die Tasche hochwertig aus oder eher nach Flohmarktschnäppchen?

Hochwertige Kleidung transportiert Wert – wer möchte, dass seine Arbeit „wertgeschätzt“ und auch dementsprechend entlohnt wird, setzt daher auf Stücke, denen man ansieht, dass sie einen bestimmten Preis hatten. Natürlich muss sich dafür keiner verschulden, preisgünstige „Wühltisch-Artikel“ haben auf der Business-Bildfläche aber nichts zu suchen.

Extravagant und trotzdem chic: Die Königsklasse ist, Wertigkeit und eigenen Stil in Einklang zu bringen.

Für Lisa Pippus entscheidet sich schon beim Shoppen, ob später gelungene Büro Styles zustande kommen oder nicht.

„Wer ohne „Ziel“ Lebensmittel einkaufen geht, bei dem landet zwar Vieles im Wagen, aber lässt sich daraus auch ein schmackhaftes Gericht zubereiten? Genauso funktioniert es beim Mode-Shoppen, egal ob online oder im Laden: Wenn Sie ein konkretes Ziel haben, können Sie an 90 % des Angebots ungerührt vorbei gehen und gelangen zu den 10%, die Ihnen und Ihrem modischen Profil etwas nutzen! Wer ohne Vorsatz shoppt, der läuft Gefahr, „Waisenkinder für die eigene Garderobe“ zu sammeln!“

Disziplin ist daher laut Pippus beim Einkaufen gefragt, nicht beim Anziehen! Sie bringt noch mal den Lebensmittel-Vergleich: „Wenn der Vorratschrank voll ist mit Süßkram, Puddings oder Fertiggerichten, wundert man sich, warum man nichts zuhause hat, um etwas Ordentliches daraus zu kochen.“

Mit Kleidung verhält es sich genauso: Freizeit- und Business-Looks, die modisch überzeugen, entstehen großteils aus Teilen, die mit „Vorsatz“ gekauft wurden. Intentional Clothing nennt Pippus das, was sie mit ihren Klienten erarbeitet: Wer weiß, wie er in seinem (Arbeits-)Bereich wirken möchte, der kann ein klares Ziel definieren und textil darauf hin arbeiten.

„Wenn das bedeutet, dass Du in einer schwarzen Hose und einer weißen Bluse Deinem selbst definierten „Wirkungs-Ziel“ am nächsten kommst, dann trage genau das! Wenn diese Kombi nichts für Dich tut, dann trage etwas, was Deine zu transportierenden Werte unterstützt.“

Klassische Business-Dresscodes haben für Lisa Pippus keine Relevanz, solange sie nicht der Person dienen, die sie trägt. Natürlich gibt es brancheninterne Vorgaben in Bezug auf Kleidung, für die Fachfrau ist die eigene Präsenz jedoch der Schlüssel zu einer selbstbewussten, erfolgreichen Erscheinung.

„Im Job sollst Du selbst präsent sein, nicht die Kleidung, die Du trägst. Feste Stilregeln funktionieren daher nur bedingt, entscheidend sind individuelle Werte und Prioritäten, die in der eigenen Kleidung Ausdruck finden sollen.“

Frau mit langem Blazer und Boyfriend Jeans

Herzlichen Dank an Frau Pippus für das sehr informative und anregende Gespräch bedanken und alles Gute für die berufliche und private Zukunft!

Zur Person

Lisa Pippus arbeitet seit 2005 als Stilberaterin und Imageberaterin in Berlin. Die gebürtige Kanadierin hat in Toronto Modedesign studiert, lange Sprach- und Präsentationskurse gegeben und eine Fortbildung zur Image-Trainerin gemacht. Ihre branchenübergreifenden Kompetenzen bringt Pippus heute ins Stilcoaching für Klienten aus unterschiedlichen Bereichen ein (u.a. Künstler, Freiberufler, Firmen, Kanzleien, Vorstände, etc.)

„Ich möchte die verbale Kommunikation meiner Klienten mit ihrer visuellen in Einklang bringen und Selbstbewusstsein eine textile Form geben. Nicht die Kleidung soll dabei in den Vordergrund rücken, sondern die Person, die sie trägt. Ich möchte vor allem Frauen mit dem, was sie tragen, selbstbewusster und damit erfolgreicher machen.“

Pippus gibt regelmäßig Stil-Seminare in Berlin.

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