Apps für Kinder: Das sollten Eltern wissen

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Wir alle wissen aus eigener Erfahrung: App ist nicht gleich App. Und gerade, wenn es um die Kleinen geht, ist Qualität wichtig – idealerweise soll sie dauerhaft Spaß machen, sicher und außerdem pädagogisch wertvoll sein. Angesichts der großen Fülle an unterschiedlichen Apps ist es allerdings gar nicht so leicht, zu entscheiden, welche App am besten für das eigene Kind geeignet ist. Wir haben Medienpädagoge Björn Friedrich und Miriam Ruhenstroth, Projektleiterin von mobilsicher.de, gefragt, worauf Eltern beim Thema Apps achten sollten. Außerdem teilen zwei Bloggerinnen ihre Gedanken und Erfahrungen.

Übersicht Themen:

  • Checkliste für Eltern: Auswahl und Nutzung von Kinder-Apps
  • Wann ist eine App „pädagogisch wertvoll“?
  • Aktuellen Entwicklungen und Trends
  • Worauf sollten Eltern bei der Auswahl von Kinder-Apps achten?
  • Informationsangebote für Eltern
  • App-Empfehlungen
  • Apps als Beschäftigung für Kinder?
  • Was sollten Eltern beim Thema Datenschutz beachten?
  • Soziale Netzwerke wie Tiktok und Instagram
  • Das sagen Eltern: Zwei Bloggerinnen teilen ihre Gedanken zum Thema Apps

 

1.) Checkliste für Eltern: Auswahl und Nutzung von Kinder-Apps

Wir haben die Tipps unserer Experten zu einer Checkliste mit Handlungsempfehlungen für Eltern zusammengetragen:

  • Informationsportale nutzen: Informiere dich auf den Portalen von Institutionen wie dem Deutschen Jugendinstitut (Datenbank „Apps für Kinder“) oder der Bundeszentrale für politische Bildung (Spielbar.de) darüber, wie eine App von Experten bewertet wird und welche Risiken bestehen.
  • Alterskennzeichnung beachten: Apps für Kinder sind in der Regel mit einer Altersempfehlung versehen. Diese liefert einen Anhaltspunkt darüber, ob die App für dein Kind geeignet ist.
  • In anspruchsvolle, werbefreie Apps investieren: Gute Apps haben häufig ihren Preis, verzichten dafür allerdings auf Werbung und In-App-Käufe.
  • Finanzierung der App checken: Eine App, die sich weder über Werbung noch über In-App-Käufe finanziert, birgt weniger Risiken. Außerdem ist der Spielspaß oft höher, weil das Kind nicht ständig durch Werbung gestört oder abgelenkt wird.
  • App gemeinsam einrichten: Sei bei der Installation der App und Einrichtung eines Nutzerkontos dabei, um wichtige Einstellungen (beispielsweise zur Privatsphäre) vorzunehmen.
  • Das Kind aufklären: Stößt du bei der Recherche oder Nutzung einer App auf potenzielle Gefahren, rede mit deinem Kind darüber, um es zu sensibilisieren.
  • Spielverhalten beobachten: Schaue deinem Kind beim Spielen über die Schulter und beobachte, wie es auf das Spiel reagiert.
  • Regeln definieren: Stelle Regeln für die Nutzung von Apps auf und erkläre diese deinem Kind immer wieder.
Medienpädagoge Björn Friedrich

Interview mit Björn Friedrich, Medienpädagoge M.A.,

Björn Friedrich arbeitet bei SIN – Studio im Netz in München und beschäftigt sich dort mit Social Media, Games, Apps und Datensicherheit. Er ist als Referent für Vorträge und Fortbildungen tätig, ist Redaktionsmitglied im „Medienpaedagogik Praxis-Blog“ sowie als Autor medienpädagogischer Elternratgeber und Fachartikel (u. a. „Das Elternbuch zu WhatsApp, YouTube, Instagram & Co.“, erschienen 2018 im O’Reilly Verlag, Köln). Privat beäugt er kritisch die Lieblings-Apps und -Serien seiner Kinder.

2.) Wann ist eine App „pädagogisch wertvoll“?

„Wenn es nicht nur ums Spielen geht, sondern die App auch anspruchsvoll ist und Lernerfolge erzielt werden sollen. Allerdings ist eine App nur dann gut, wenn sie auch kindgerecht aufbereitet ist und Kinder sie auch tatsächlich nutzen wollen. Ein gelungener Mix aus Spielspaß und Lernen ist deshalb wichtig.“

3.) Was sind die aktuellen Entwicklungen und Trends beim Thema "Apps für Kinder"?

„Man kann beobachten, dass zunehmend große Anbieter den Markt dominieren – die kleinen haben es immer schwerer. Die Entwicklung und Vermarktung der Apps kosten eben viel Geld. Gleichzeitig sind die Konsumenten immer weniger bereit, Geld für eine gute App auszugeben, schließlich findet man überall im Internet kostenlose Inhalte. Das hat aber leider zur Folge, dass viele App-Anbieter ihren Gewinn nicht mehr über den Preis, sondern über Finanzierungsmodelle wie Werbung oder In-App-Käufe erzielen. Die können gerade für Kinder schnell zur Kostenfalle werden.“

„Apps kosten immer weniger, aber beinhalten dafür Werbung und In-App-Käufe.“

„Was die Inhalte betrifft, ändern sich die Apps eigentlich nicht so sehr. Die Muster dahinter sind oft seit Jahren dieselben, zum Beispiel bei Jump’n Run- oder Geschicklichkeitsspielen. Auch Geschlechterklischees werden nach wie vor häufig bedient, z. B. gibt es viele Apps rund um Tiere oder Haushaltsthemen für Mädchen. Ich habe sogar den Eindruck, dass der Anspruch generell eher sinkt: Viele Anbieter machen es sich einfach und entwickeln Apps nach bekannten Mustern (etwa rund um bekannte Figuren aus Film und Fernsehen), aber investieren kaum in anspruchsvolle Inhalte.“

4.) Worauf sollten Eltern bei der Auswahl von Kinder-Apps achten?

„Eltern sollten sich zunächst einmal an den Alterskennzeichnungen von Apps orientieren. Diese sind zwar nicht immer zu einhundert Prozent zuverlässig, aber dienen auf jeden Fall als Anhaltspunkt. Ein weiterer Aspekt ist die Finanzierung der App: Enthält sie Werbung oder In-App-Käufe, sollten Eltern unbedingt dafür sorgen, dass das Gerät abgesichert und das Kind über die Risiken aufgeklärt ist. Oder gleich ein paar Euro mehr ausgeben und sich für eine werbefreie App entscheiden.

Aber auch der inhaltliche Aufbau sollte nicht vernachlässigt werden. Ist die App tatsächlich frei von Gewalt oder vulgären Ausdrücken? Eltern sollten sich hier nicht fehlleiten lassen. Nur weil z. B. Comic-Figuren auf dem Cover abgebildet sind, bedeutet das nicht automatisch, dass es sich um ein kindgerechtes Spiel handelt.“

„Eltern sollten das Spielverhalten ihres Kindes beobachten, um ein Gefühl für den Inhalt einer App zu bekommen.“

„Schauen Sie Ihrem Kind am besten beim Spielen über die Schulter und beobachten sie die Auswirkungen der App. Reagiert Ihr Kind etwa ängstlich auf bestimmte Inhalte und bekommt Albträume, ist die App sicherlich nicht das Richtige.“

5.) Wo finden Eltern eine Orientierungshilfe zum Thema Apps für Kinder?

„Es gibt eine Reihe guter Informationsportale, auf denen sich Eltern über die Qualität verschiedener Kinder-Apps informieren können. Hier meine Tipps …“

Datenbank „Apps für Kinder“

Die Datenbank „Apps für Kinder“ ist ein Angebot des Deutschen Jugendinstituts und stellt ausführliche App-Rezensionen bereit. Die vorgestellten Apps werden auf ihren pädagogischen Mehrwert, Sicherheitsaspekte, Spielspaß und Bedienung hin bewertet.

Spieleratgeber NRW

Auch der von der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW publizierte „Spieleratgeber NRW“ bietet pädagogische Bewertungen beliebter Apps und Ratgeber zu verschiedenen Themen rund um Familie und Medienerziehung.

Pädagogischer Medienpreis

Der Pädagogische Medienpreis wird vom SIN-Studio im Netz e.V. vergeben. Jedes Jahr kürt eine Jury aus (Medien-)Pädagogen, Spieleentwicklern, Eltern und Kindern die besten digitalen Angebote für Kinder, von der Webseite bis zur App. Anhand der Preisträger-Liste können Eltern gelungene Spiele für ihre Kinder finden.

Spielbar.de

Auf spielbar.de, dem Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Computerspiele, finden Eltern Informationen und Alltagstipps sowie pädagogische Beurteilungen zu einzelnen Spielen.

6.) Empfehlungen: Gute Apps für Kinder

Einige persönliche Empfehlungen von Medienpädagoge Björn Friedrich:

  • Kabu – die Info-App für Kinder
  • Fiete-Apps von Ahoii
  • Malduell von foldapps
  • Meine 1. App von appp media
  • Die Zwuggels von sploosh

 

Interview mit Miriam Ruhenstroth, Projektleiterin mobilsicher.de

Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

7.) Wie sinnvoll sind Apps als Beschäftigung für Kinder?

„Viele Eltern nutzen Apps als „Babysitter“: Es ist bequem, ein digitales Gerät einzuschalten und das Kind damit sich selbst zu überlassen. Hier ist aber Vorsicht geboten. Mit einem vorausgewählten Angebot kann man das ohne großes Risiko machen – z. B. einem Film oder einer sicheren Suchmaschine wie FragFINN. Allerdings bieten das Internet und soziale Netzwerke auch viele Risiken, weswegen Eltern immer wieder überprüfen sollten, was ihre Kinder machen. Dabei geht es nicht ums Kontrollieren, sondern ums Begleiten der Kinder.“

8.) Was sollten Eltern beim Thema Datenschutz beachten?

„Die meisten Apps übermitteln Daten nicht nur an den App-Hersteller, sondern auch an andere Firmen. Das Problem ist: Eltern können nicht direkt sehen, welche und wie viele Daten von Kinder-Apps gesammelt und weitergegeben werden.

Grundsätzlich gilt: Apps, die Werbung enthalten, senden IMMER Daten an mehrere Parteien. Deshalb empfehlen wir Eltern, in werbefreie Apps zu investieren und die Menge an Daten damit schon im Vorfeld zu minimieren.“

„Vor allem, wenn der Standort abgefragt wird, sollten Eltern aufmerksam sein.“

„Außerdem sollten Eltern darauf achten, welche Daten die App bei der Installation abfragt, und bei der Einrichtung, z. B. auch von einem Nutzerkonto, unbedingt dabei sein. Vor allem, wenn der Standort abgefragt wird, sollten sie aufmerksam sein. Reale Namen und Adressen sollten auf keinen Fall angegeben werden, da das wirklich gefährlich sein kann.“

9.) Wie sieht es mit Kindersicherungsapps aus, die Eltern nutzen, um Standort oder Aktivitäten des Kindes zu kontrollieren?

„Wenn Smartphone-Daten des Kindes an ein Gerät der Eltern übermittelt werden, werden diese praktisch immer auf einem Server des Anbieters gespeichert. In der Vergangenheit ist es sehr oft passiert, dass Anbieter solcher Apps gehackt wurden und die Daten der Kinder irgendwo im Internet gelandet sind. Deswegen empfehlen wir, auf solche Apps zu verzichten.“

10.) Welche Gefahren bergen soziale Netzwerke wie Tiktok und Instagram?

„Ja. Hier gibt es zwei große Themen: Zum einen kann es durch solche Apps schnell zu sexuellen Kontaktanbahnungen durch Unbekannte kommen – das haben wir z. B. bei TikTok viel gesehen –, und zum anderen zu Mobbing. In beiden Fällen hilft eigentlich nur das Begleiten der Kinder durch die Eltern. Diese sollten immer wieder schauen, was das Kind macht, was gepostet wird und welche Art von Kontakten akzeptiert wird. Auch das gemeinsame Einrichten der Privatsphäre-Einstellungen (wir empfehlen, das Profil nicht öffentlich zu machen) und feste Nutzungsregeln sind wichtig.“

„Eltern können nicht verhindern, dass sich ihre Kinder in sozialen Netzwerken aufhalten – aber sie dürfen dort nie alleingelassen werden.“

„Mit der Nutzung von Apps ist es wie im Straßenverkehr: Es gibt viele Risiken und Regeln, die immer und immer wieder erklärt werden müssen. Auch Themen wie das Recht am eigenen Bild sollten angesprochen werden, denn hierbei wissen die meisten Kinder kaum Bescheid. Eltern stehen hier in der Verantwortung, sich mit den Themen zu beschäftigen, sich schlau zu machen und Apps auch selbst zu testen. Es kann nicht verhindert werden, dass sich Kinder in sozialen Netzwerken aufhalten – aber sie dürfen dort nie allein gelassen werden.“

11.) Das sagen Eltern: Zwei Bloggerinnen teilen ihre Gedanken zum Thema Apps

Bloggerin Stephanie von 3fachjungsmami.net

Stephanie von 3fachjungsmami.net

Stephanie hat drei Söhne im Alter von zehn, acht und sechs Jahren – und ist damit Expertin für Kinderspiele aller Art. Auf ihrem Familienblog 3fachjungsmami.net teilt sie ihre Erfahrungen, und Tipps, auch rund um (digitale) Spiele.

Wie viel Freiraum sollten Eltern ihren Kindern bei der Auswahl und Nutzung von Apps einräumen?

„Die Frage ist schwer zu beantworten, da ich finde, dass es sehr stark auf das Alter und das Verantwortungsbewusstsein des Kindes ankommt. Es ist z. B. ein Unterschied, ob ein Kind 15 oder 10 Jahre alt ist.
Bei meinen Kindern entscheide ich, welche Apps genutzt werden dürfen und welche noch nicht für sie geeignet sind. Wenn ich die Apps selbst nicht kenne, lese ich mir Beurteilungen im Internet durch. Manchmal probiere ich die App vorher selbst aus, um mir in meiner Entscheidung ganz sicher zu sein. Außerdem gibt es gewisse Regeln, die meine Jungs unbedingt zu ihrer eigenen Sicherheit einhalten müssen. Zum Beispiel dürfen sie mit keinen Fremden Kontakt aufnehmen oder auf Nachrichten antworten, wenn sie die Person nicht kennen.“

Worauf achtest du bei einer App? Was ist dir besonders wichtig?

„Mir ist wichtig, dass meine Kinder sicher sind: Dass Gewalt nicht verharmlost wird oder ihnen fremde Menschen Fotos oder Ähnliches schicken können. Um das zu verhindern, reichen oftmals schon kleine Einstellungen. Im Übrigen rede ich offen mit meinen Kindern über Medien und Apps und deren Gefahren, weil ich denke, dass sie so ein gutes Gefühl für das Thema entwickeln können.“

Evelyn von Little Paper Planes

Evelyn von littlepaperplane.net
Evelyn ist Redakteurin und Mama von zwei Kindern im Alter von drei und eins. Auf ihrem Blog littlepaperplane.net schreibt sie ehrlich übers Mutter- und Frausein.

In welchen Situationen nutzen deine Kinder Apps?
Meine Kinder sind noch recht klein und benutzen kaum Apps. Ich habe vielleicht zwei auf unserem iPad und die werden nur in „Notsituationen“ bespielt, zum Beispiel auf Zug- oder Flugreisen. Das bedeutet nicht, dass ich meinen Kindern die Benutzung von digitalen Medien verbiete, es ergibt sich nur (noch) nicht so oft. Ich finde, man sollte Kindern Apps nicht vorenthalten, sondern den richtigen Umgang damit lehren.

Worauf achtest du bei einer App? Was ist dir besonders wichtig?
Mir ist wichtig, dass die App nicht passiv ist, sprich Logikspiele oder Geschicklichkeitsspiele sind mir lieber als Videos. Mir ist also wichtig, dass das Kind damit spielt und sich nicht berieseln lässt.

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