Christkind oder Weihnachtsmann? Regionale und historische Unterschiede

Christkind oder Weihnachtsmann? Regionale und historische Unterschiede

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Wer ist es, der alle Jahre wieder die Geschenke bringt – das Christkind oder der Weihnachtsmann? Je nach Kulturkreis und Erziehung glauben Kinder an die eine oder die andere mythische Figur. Heute verraten wir ganz unvoreingenommen, woher das Christkind und der Weihnachtsmann eigentlich kommen, was für die beiden typisch ist und an welchen der beiden Kinder auf der ganzen Welt ihre Wünsche richten.

Das Christkind: Vom magischen Kinde

Eine Vermutung legt nahe, dass das Christkind aus dem katholischen Glauben kommt: Es handele sich dabei um Jesus, das „Kind Christus“, welches in der biblischen Geschichte in der Weihnachtsnacht geboren wird. Andere Darstellungen, etwa im „Struwwelpeter“ aus dem 19. Jahrhundert, zeigen es als engelhafte Gestalt zwischen Kind und junger Frau. Bildlich gleicht das Christkind meist einem Engel oder einer märchenhaften, geflügelten Kindergestalt, die Heil, frohe Kunde, aber auch Gaben und Geschenke bringt.

Christkind Engel
Christkind Engel leuchtend

Mal herzig und kindähnlich, mal mythisch und abstrakt: Nicht für jeden ist das Christkind in gleicher Weise fassbar.

Christkindl-Brief und goldenes Haar

Eine beliebte Geschichte, die Eltern ihren Kindern erzählen, ist die vom Christkind, welches den weihnachtlichen Wunschbrief abholt. Kinder schreiben ihre Wünsche auf ein Blatt Papier und legen dieses, sorgfältig im Kuvert verschlossen, auf die Fensterbank. Von dort aus soll die magische Weihnachtsgestalt den Brief aufsammeln. Gewitzte Eltern platzieren eine „goldene Haarsträhne“ (z.B. Lametta), ein Keks oder ein kleines Spielzeug an Stelle des Briefes – und am nächsten Morgen findet das Kind den „Beweis“, dass Magisches im Gange ist.

Typisch für das Christkind:

  • Mythische, engelhafte Erscheinung
  • Verlorenes goldenes Haar
  • Glockenläuten (etwa vor der Bescherung)
  • häufig „unsichtbar“

Der Weihnachtsmann – ein weltgewandter Geselle

Der bärtige Santa Claus ist aus der Vorweihnachtszeit inzwischen so wenig wegzudenken wie Kerzen oder Tannenbaum. Seine behäbige Figur mit weißem Rauschebart und roter Zipfelmütze erblicken wir an Hausfassaden, in Schaufenstern oder auf Werbeplakaten rund um den Globus.

Erstmals tauchte der fröhliche Herr mit seinem pelzbesetzten Mantel im Zuge der Reformation auf. Da wurden eher grimmige Vorweihnachts-Maskottchen wie der Knecht Rupprecht durch einen sanftmütigen Gabenbringer abgelöst – den pausbäckigen Weihnachtsmann. Dargestellt wurde er mal klein wie ein Zwerg, mal als gutmütiger Riese, die Farbe seines Mantels wechselte zwischen Rot, Grün oder Gold.

Sein heutiges Aussehen verdankt der Weihnachtsmann zu einem großen Teil der Getränkemarke Coca-Cola. Im Rahmen einer Weihnachtskampagne des amerikanischen Kultgetränks tauchte Santa Claus in seinem inzwischen charakteristischen roten Overall auf, in dem er bis heute am häufigsten abgebildet wird. Meist sehen wir den Weihnachtsmann in einem Rentierschlitten durch die Lüfte sausen, mit dem er zu den Häusern gelangt, um seine Geschenke zu verteilen.

Typisch für den Weihnachtsmann:

  • großväterliche Gestalt
  • reist im Rentierschlitten
  • kommt durch den Kamin, um Geschenke abzulegen
Weihnachtsmann legt Geschenke unter den Baum

Heute typische Darstellung von „Father Christmas“: Der sanfte, gemütliche Gabenbringer. (Bild: © HASLOO/iStock)

Inspirationen aus anderen Kulturen

Interkulturelle Ahnen und Inspirationen gibt es vor allem für den Weihnachtsmann so einige. Das Väterchen Frost entspringt einem russischen Weihnachtsmärchen, in dem das mythische Väterchen einem ausgesetzten Kind einen prächtigen Mantel um die Schultern legt und es mit Geschenken überhäuft. Shou Xing, der chinesische Gott langen Lebens, wird auch der „Alte Mann vom Südpol“ genannt und erinnert mit seinem langen Stab in der einen und dem Pfirsich ewiger Jugend in der anderen Hand an die hiesige Figur des Heiligen Nikolaus. Nordeuropäer wie Finnen oder Schweden sehen den Weihnachtsmann gerne in ihren Wäldern beheimatet, auch der von Rentieren gezogene Schlitten legt nordische Wurzeln nahe.

Allen Figuren ist gemein, dass sie sich der Armen und Schwachen annehmen, Menschen in Not helfen und am Weihnachtsabend auch unter tristen Bedingungen Wärme und Hoffnung spenden – ein insgesamt also von christlichen Werten geprägtes Bild, in welches sich auch das Christkind fügt.

Christkind oder Weihnachtsmann - symbolische Werte
Christkind oder Weihnachtsmann - erleuchtete Engel

Christkind oder Weihnachtsmann? Regionale Unterschiede

Von wo kommst her? Das Geburtsland entscheidet darüber mit, ob wir mit dem Glauben ans Christkind oder an den Weihnachtsmann – in einer seiner vielen Formen – aufwachsen. Das Christkind ist vor allem im deutschsprachigen Raum verbreitet. In Österreich, in Südtirol, im deutschen Süden und in Westdeutschland, im französischen Elsass und in der Schweiz lauschen Kinder am Heiligen Abend nach dem Glockenläuten des engelhaften Christkindes. Aber auch in benachbarte Länder wie Ungarn, Slowenien, Tschechien oder Kroatien ist der Glaube an das magische Weihnachtswesen weitergezogen.

An den Weihnachtsmann glauben Kinder nicht nur in den USA, sondern auch im Norden und Osten Deutschlands, sowie in Nordeuropa, in England, im Baltikum oder in Russland.

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