Wiener Geflecht – Wohn-Trend mit Handwerkstradition

© Alla Hetman | Unsplash

Retro mit acht Ecken: So kennen und lieben wir das Korbgeflecht nach Alt-Wiener Handwerkstradition – das Wiener Geflecht. Heute erzählen wir euch, wie das Flechtwerk entstand und wie es sich heute im modernen Wohnen stilvoll einsetzen und kombinieren lässt.

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, warum das Wiener Kaffeehaus so beliebt und international einzigartig ist? Nun, die Qualität der Röstung oder den „Schmäh“ des Personals lassen wir mal beiseite! Was Einheimische wie Touristen lieben, ist das Flair von Gemütlichkeit. Und dieses entsteht nicht zuletzt durch das ganz eigene Interieur.

Achteckiger Charme, ein wenig altbacken und wie aus der Zeit gefallen. Wiener Geflecht ist typisch für Kaffeehausstühle des 19. und 20. Jahrhunderts und erfreut sich heute wieder größter Popularität. Wir haben ein paar Infos zu Herkunft, Geschichte und spezieller Machart des Handwerks.

Warum wir Wiener Geflecht lieben

Heute gang und gäbe: Die Bespannung von Schranktüren mit Wiener Geflecht geht zurück bis ins 18. Jahrhundert.

Korbgeflecht suggeriert Natürlichkeit und Handarbeit wie kaum ein anderes Material. In einer schnelllebigen Zeit, die immer noch mehr noch rascher produziert, kommt Handwerk ein neuer Stellenwert zu. Nicht zufällig sprießen die „Manufakturen“ branchenübergreifend und international wie Pilze aus dem Boden.

Heute ist Wiener Geflecht kein Garant mehr für echte Handarbeit – es lässt sich inzwischen auch maschinell fertigen, wodurch das edle Flechtwerk bezahlbar geworden ist. Wer sich im privaten Wohnraum für Möbel aus Wiener Geflecht entscheidet, wählt dennoch bewusst den Charme des Entschleunigten und zollt der alten Handwerkstradition ästhetischen Tribut.

KuK-Flechtkunst aus Wien

Das erste Bild, das zu Wiener Geflecht in den Köpfen entsteht, ist häufig der Kultsessel aus dem Hause Thonet, der noch heute in zahlreichen Wiener Cafés steht. Der Kaffeehausstuhl mit den eleganten Bugholz-Kurven ist bis heute ein Aushängschild für den traditionellen Stil. Aber die ersten Stühle, die mit dem berühmten achteckigen Flechtmuster bezogen waren, kennen wir bereits aus dem 18. Jahrhundert.

Wie alt ist die Bezeichnung Wiener Geflecht?

Kaum ein Handwerk ist in unseren Breiten so alt wie die Korbflechterei. Verwendete man ursprünglich heimische Materialien, wie Weidenruten oder Stroh, ermöglichte die Kolonialisierung im 17. Jahrhundert erstmals auch die Verarbeitung anderer Pflanzen für die Flechtereien. So wurden die ersten Peddigrohre verarbeitet. Das Peddigrohr ist ein Produkt aus dem Stamm der Rattanpalme. Und ja, genau dieses kommt auch bei der Herstellung echter Rattanmöbel zum Einsatz!

Zunächst wurde das Flechtwerk aus Peddigrohr vorwiegend für die Bespannung von Stuhlsitzflächen eingesetzt. Mit dem Barock wurden Handwerkskünstler aber mutiger und man begann, auch beispielsweise Türen von Schränken, Kommoden und Sideboards mit Geflecht zu füllen – etwas, das wir bis heute im Interior-Bereich finden und lieben.

Schrank „Feines Geflecht“Geflochtener Schaukelstuhl

 

Wie wird Wiener Geflecht hergestellt?

Für die Herstellung des einzigartigen Wabengeflechts werden sechs Peddigrohr-Stränge in einer Kombination aus Längs-, Quer- und Diagonalbindungen verflochten. Durch diesen Richtungswechsel erhält das finale Muster seine charakteristische Form und ausgezeichnete Festigkeit.

Wer das eigene Wohnzimmer oder die Küche in Kaffeehaus-Flair kleiden möchte, ist mit Wiener Geflecht garantiert auf der sicheren Seite. Aber so Retro muss nicht sein: Stühle, Kommoden oder Anrichten mit Wiener Geflecht passen wunderbar zu cleanen, schlichten Wohnstilen – beispielsweise im Scandinavian Chic. Du willst nur einen einzelnen Hingucker, etwa im Schlafzimmer? Ein Lampenschirm aus Wiener Geflecht erzeugt eine warme, gemütliche Atmosphäre und passt ausgezeichnet zu modernen Living-Arrangements.

Wiener Geflecht harmoniert wunderbar mit Materialien wie Rattan, welches mit dem Flechtwerk ja natürlich verwandt ist, sowie zu Leinen und hellen Holzarten. Immer schön: Geflochtene Eyecatcher zu Möbelstücken in Weiß, Beige oder hellem Schiefergrau. Und natürlich macht sich Wiener Geflecht mit seiner natürlichen Frische ganz wunderbar im Outdoor-Bereich und für Gartenmöbel.

Fehlen doch nur noch die Sachertorte und die Wiener Melange, stimmt‘s? Lass dich jetzt inspirieren!

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